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Archive for the ‘Geschichten’ Category

Der Abend

In Edward G. Hollow, Geschichten on 28. Oktober 2013 at 10:53 pm
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Edward G. Hollow

Ich bin nun in Mexiko. Es ist heiss in der Hauptstadt, ich schwitze, alle schwitzen und mit dem Tequilla-Duft zusammen, will man garnicht atmen in diesen Strassen. Erstaunlicherweise steht mein Chopper noch vor der Tür, denn die letzten drei verdammten Karossen, waren nach spätestens zwei Nächten weg. Die guten Jenny hat schon eine Woche überlebt. Aber nicht nur diese Frau ist neu in mein verrücktes Leben getreten, der grösste Unterschied ist, dass ich Jenny in den Sonnenuntergang reite und Lucy meist mich reitet.

Sie ist mir in einer kleinen, abgefuckten, von den Trinkern geliebten Bar aufgefallen. Da sich diese Spelunke hinter dem Fischmarkt – meinem momentanen Arbeitsplatz – befindet, sieht man dort normalerweise nur, nach Fisch stinkende Fettsäcke. Vorletzte Woche, es war Mittwoch, stolperte ein dunkelhäriger, wie in Magie gehüllter Engel durch die alte Holztür. Sie schien den ätzenden Geruch – den fremde nur schlecht ertragen können – überhaupt nich wahrzunehmen. Obwohl ich sicherlich nicht als Männermodel durchgehe, schien ich das kleinste Übel in diesem Loch zu sein, denn sie setzte sich mit einem bezaubernden Lächeln und einem „Holla!“, neben mich an die Bar. Da sich mein Spanisch auf kleine Einkäufe, Fischarten und das Ordern von Teq-Shots beschränkte, begann ich englisch zu sprechen.
Lucy, die mit perfektem Englisch konterte, war anscheinend nicht nur hüpsch sondern auch intelligent und Temprament hatte sie auch – ich war dabei mich zu verlieben.

Mein Herz hatte sie noch am selben Abend für sich gewonnen. Als sie nach geschätzten zwanzig Teqs begann ihren schönen Körper an meinem zu reiben und auf meinem Schoss hin und her zu rutsche, was mich fast zum platzen brachte.
Die Lippen waren süss, was zusammen mit Tequilla und der Zitrone die perfekte Mischung ergab. Ihre Rundungen glänzten im Mondlicht als sie begann micht auszuziehen – in diesem Moment war sogar mein Zimmer, im vierten Stock eines vermodernden Wohnblocks in Mexiko City, einer der schönsten Orte der Welt.

Am nächsten Morgen war sie weg.

Mr. Hyde-Style

In Edward G. Hollow, Geschichten on 15. Juli 2013 at 8:01 pm

„Nun bin ich mal ein Arschloch. Trinken und Fleisch, männliche Dinge, das macht mir Spass. Nun trinkend, fickend und fressend lässts sich leben – etwas Krafttraining für die Muskeln darf nicht fehlen. Bald kommt vielleicht ein Auto, ein grosses Auto, eines das Spass macht und lärm, ach und Spritverbrauch ist egal. Nun werde ich in Casinos gehen, trinkend Blackjack spielen und wenn eine der Bardamen meine neue Karre geil findet, vergesse ich meine kleine Freundin für eine Nacht. Ab jetzt benutze ich keine Kondome mehr – zu feminin – denn ich will meine Mädchen richtig spühren. Wenn eine dieser Schlampen Kinder kriegen sollte geh ich wohl nach Amerika, wollte da immer schon mal hin. Da werden mich alle lieben, aber der Deep South zieht mich an: mit seinen brennenden Kreuzen und lustigen, weissen Kaputzen. Wahrscheinlich werd ich in die Kirche gehn so oft es geht, damit ich, trotz meines sündigen Lebensstils, in den Himmel komme, ausserdem komme ich in allerlei Redneck-Girls. Dieses Leben wird Spass machen. Ich werde den Balg schnell vergesse und auf wild, freie Gedanken folgen dieselben Taten…

Nun bin ich alt, also nicht wirklich alt aber 54 Jahre sind schon was. Ich gehe gern in die Kirch, dort finde ich noch Ruhe. Die Klinik ist schlecht und die Schwester hässlich, was nicht wirklich zur Genesung meines fortschreitenden Krebses und der Leberzirrhose beiträgt.
Mein kleiner Noel ist jetzt 34 geworden, er besucht mich nicht, niemand tut das.
Bin nicht mal sicher, ob er von mir weiss, ob er mein Gesicht kennen würde – mitlerweile wohl kaum. Das Ende spühre ich nun näher denn je und die Frage, wo ich die Verantwortung aufgegeben habe, ist leicht zu beantworten.“

Auszug aus dem Testament des Edward G. Hollow

Standard

In Alltag, Geschichten, Ironie on 7. Januar 2013 at 11:22 pm

Ich war wieder einmal auf dem Heimweg, als sich einer der grauen Herren neben mich setzte. Er war das Klischee in sich – was man sich halt so vorstellt – mit Kravatte und Hemd, dem Telefon am Ohr. Wie auch immer. Der Rebell in mir begann zu schreien: „WAS FÜR EIN SPIESSER!„. Ich begann nachzudenken, woher diese Abneigung, nein, das Denken, dass dieser, doch etwas dickliche und in die Jahre gekommene, Bankheini etwas Schlechtes an sich haben muss, kam. Es war schon immer da, ich will nicht so sein, ich assoziiere das mit der „Gefangenschaft im Kapitalismus“, um es auf meine Weise auszudrücken. Er ist der Typ, der kleine Kinder auf der Strasse sterben lässt und zwar zu tausenden, nur um sich den neuen Benz leisten zu können.

Dieses Telefonat musste ich mir einfach anhören; „Geht sicher um die Ausbeutung des letzten armen Farmers in Brasilien, um sein Land als Sojaanbaugebiet nutzen zu können!“, dachte ich mir, während ich die Kopfhörer zur Seite legte. Doch es ging nicht um das Land des Caipirinha, nicht um die Übernahme der Welt und auch nicht um die Vereinigung aller weltlichen Besitztümer auf seinem Bankkonto. Nein, es ging um seine Tochter, die heute Geburtstag hatte und er, ihr Vater, konnte diesen Tag nicht mit ihr verbringen.

Ich hatte mich wiedereinmal selber beim Werten durch Vorurteile erwischt. Doch das dieser strenge, graue Herr in Wirklichkeit genau gleich schmerzlich einen geliebten Menschen vermisste und nichts lieber täte, als alles hinzuwerfen, um bei diesem zu sein – genau wie ich – war die Erkenntnis, die meinen Tag zu einem guten Tag machte.

„Die Unwissenheit kommt der Wahrheit näher als das Vorurteil.“

(Wladimir Iljitsch Lenin)

40er Jahre mit Pointe

In Geschichten, Tipps on 4. Januar 2013 at 4:28 am

Die kirschroten Lippen, die Haare, wie schwarzer Samt, ein leichter Hauch von Zigarrenrauch umgarnt ihre kurvenreiche und doch zierliche Figur, welche in ein ebenfalls kirschrotes Cocktail-Kleid gehüllt ist. Sie dreht sich mit einer federleichten Anmut zu mir um, ein Blick, so geheimnissvoll wie die Weiten des Universiums und doch in seiner Einfachheit so sinnlich, trifft mein, von Zuneigung gezeichnetes, Gesicht.

Um nicht so unbeholfen zu wirken ziehe ich an meiner, nach Vanille und Stärke stinkenden, Zigarre. Dazu einen Schluck von dem 18 Jahre alten Scotch, welcher mir die Dame in den Netzstrümpfen, die Dame, die mich so verstohlen beschnupperte, vor wenigen Augenblicken, serviert hatte.

Nein! Nur Sie, die Kirsche, die alles um sich herum wie verschmierte Schwarz-Weiss-Töne aussehen lässt, die Kirsche, mit der dieser eine Tango so unbeschreiblich, unvorstellbar erotisch wird, nur Sie zählt.

Alle anderen tollen Frauen in diesem kleinnen Pub nahe der Grenze, sind nicht annähenrnd so wohlgestaltet von Gott oder der Natur oder wer man sich dabei auch vorstellen mag. Diese unvorstellbare, unbeschreibbare und unerreichbare Lady ist das Manna in der Wüste, welche mein Liebesleben darstellt.

Von einem Moment auf den anderen wird meine Welt durch alles was ist und was sein wird zerschlagen. Der Mut, der vorher noch stark und wie ein Phoenix, der aus der Asche stach, war, erstarrte in einem scheuen Ton. Die Frau erblickte den Jungen – da er noch ziemlich unerfahren war nannten ihn alle „junge“ – und ging auf den, von der Schönheit des Mädchens begeisterten, Mann zu.

Er wusste nicht was er zu der Frau, welche ihn gefüllsmässig völlig überforderte , sagen sollte.

Er sagte nur: „Hey, bist du neu hier?“

Alles entwickelte sich von selber…

Jeder, der weiss was er will, wird es, in seinem pragmatisch gelebten Leben, sicherlich zu einem, von sich selber, bestimmten Ende bringen.

15 Minuten „arschfick“

In Alltag, Geschichten, Ironie, Kritik on 3. November 2012 at 1:14 am

Der harte Arebeitstag schien zu enden, der Körper sass in einem Zug, der meist nicht übermässig besetzt ist. Der Kopf war auf einer anderen Schiene. Der Kopf dachte an die Novelle, die er bis vor 10 Minuten studiert hatte.

OMG!, das war der erste – zugegeben sehr popkulturmässige – Gedanke, der den Kopf durchstach, als der Körper sich neben zwei „Menschen“ setzte.

„Das nächste mal, wenn ich einen, wie den seh, schlag ich ihn richtig kaputt!“

Der erste Satz der den Kopf traf, war schon das Urteil über den IQ der Nachbarsitzenden. Denn so viel Dummheit und Nonsense hatte der Kopf schon seit langem nicht mehr gehört.

Das „Gespräch“ setzte sich dann fort, über Ausländer und Gewalt, der Protagonist erboste sich massiv über die Denkweise der Immigranten aus den Balkanstaaten. Die relativ neuen Einwanderer seine nur darauf aus, zu provozieren und sich gegenseitig tot zu schlagen. Er war sehr wahrscheinlich gar nicht in der Lage festzustellen, dass er sich ganau so verhielt, wie er es von den „Ausländern“ hasst.

…der Kopf wollte etwas sagen, doch der Körper war um seine Unversehrheit besorgt und gewann somit den heutigen Kampf gegen den Kopf  und seine Abneigung gegen „Neo-Nazis“…

Aber ich weiss dafür, dass ich Recht habe…

In Gedanken..., Geschichten, Kritik on 4. Oktober 2012 at 5:55 pm

Am Anfang war das Land, das Land wo alle mitbestimmen konnten. Nein, sie mussten mitbestimmen und sich mitteilen, so konnten alle immer den Kompromiss annehmen und sich damit identifizieren. Schön war es, damals.

Eines Tages kommt ein Mann aus dem Norden und will seine Geschichte erzählen, er schlägt sein dickes Buch auf und begann: „ER schuff die Erde, dann die Menschen…“, die Leute hörten gespannt zu und als er fertig war klatschten die Hälfte der Leute , sie waren begeistert von der Vorstellung, dass jemand ihr Leben in der Hand hält, denn sie mussten es also nicht mehr selber anpacken. Die ander Hälfte fand die alte Ordnung viel besser. Doch beide konnten gut miteinander leben.

Eines anderen Tages befand Herr X, dass seine Meinung die Wahre sei. Er machte sich auf zu seiner besten Freundin Frau Y und wollte diese mit guten und weniger guten Argumenten von seiner Sicht der Dinge überzeugen.

Die Folgen?:

  • Krieg
  • Tod
  • Hunger
  • Soziale Ungerechtigkeit

Aber ich weiss dafür, dass ich Recht habe…